Theresia von Lisieux in Steinen

Reliquienschrein

Tages Anzeiger:   Ausgabe vom 19. Juni 2008

Rückblick Theresia-Glaubenserlebnis

Dem 7-stündigen lebhaften Besucherandrang zufolge war für viele auch junge Gläubige die Begegnung mit Theresia und ihrem Geheimnis eine Art Wallfahrt im Kleinen. Das Beichtsakrament wurde ab 18.30 zweitweise von zwei Priestern angeboten, die sogar bis halb zwei nachts bleiben mussten. Dann lichteten sich die Reihen weiter. Es gingen immer wieder welche und kamen neue. Bis zur Verabschiedung des Reliquienschreins heute Mittwochmorgen waren stets an die 40 Personen auch stellvertretend für ihre Familien und Pfarreien anwesend.
Zahlen allein aber sagen letztlich vor Gott nichts aus. Es ist zu hoffen, dass viele im Herzen berührt mit guten Vorsätzen und neuem zuversichtlichem Gottvertrauen heim gegangen sind. Dann hat ja, wie es Bischöfe im Ausland bestätigen, die Begegnung mit der Hl. Theresia auch in unserer Pfarrei und Diözese der Gefahr des Ermüdens neuen Eifer gegenübergesetzt und lebendigen Glauben bewirkt

Ein herzliches Vergelt’s Gott den vielen Ungenannten, die mit Vor-Beten, Singen, Geld, Blumen, Kuchen für die Pfarrsäli-Beiz usw. ihren besonderen Beitrag geleistet haben, auch den 7 mitwirkenden Priestern.  – Ihr Pfarrer

 

Theresia von Lisieux

ALLES  IST  GNADE !

Das sagt eine Frau, die obwohl
früh verstorben, mit ihrer Liebe
und Fröhlichkeit zu einer Reife
gelangt ist, die manche 70 und
80-jährige nicht aufweisen können.

Theresia von Lisieux

am 10. Juni auf Zwischenstation
in Steinen, zeigt uns, wie das
Leben trotz vieler Leiden und
Enttäuschungen zu meistern ist
und zwar segensbringend für
Andere.

Berühmt ist dabei Ihr Buch
„Der Kleine Weg!“

Im Studium der Hl. Schrift und im intensiven Nachdenken entdeckte sie die Mosaiksteine des "Kleinen Weges":

  • Mich selber größer zu machen ist unmöglich! Ich muss mich ertragen wie ich bin.
  • Es ist gar nicht nötig, durch mein eigenes Bemühen wachsen zu wollen.
  • Jesus verlangt von mir keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit.
  • Ich habe kein anderes Mittel, um Gott meine Liebe zu beweisen, als aus Liebe zu ihm auch die allerkleinsten Dinge zu tun.
  • Ich lasse mich wegen meiner Fehler nicht entmutigen.

Aus dem Originalton Thereses hören wir, daß der "Kleine Weg zu Gott" eine Spiritualität des Alltags ist.
Der kleine Weg - auch für mich?

Bis auf den heutigen Tag gehen Millionen von Menschen in aller Welt den "Kleinen Weg", indem sie versuchen, die Aufgaben des Alltags in Liebe zu erfüllen, denn: "Vor Gott zählt nicht der Verdienst, sondern allein die Liebe." Anstelle hochfliegender Pläne für morgen, soll ich das Heute verwirklichen, was diese Stunde und Minute von mir verlangt:

  • Durch ein Lächeln...
  • Durch ein Wort, das ich nicht sage, obwohl es mir auf der Zunge brennt...
  • Durch einen kleinen Verzicht...
  • Indem ich einen unangenehmen Menschen bewusst ertrage...
  • Indem ich eine lästige Arbeit nicht aufschiebe...
  • Indem ich ein Gebet geduldig zu Ende führe...

Durch die kleinen Liebesakte bleibe ich in lebendiger Verbindung zu Gott. Therese vergleicht sie mit Strohhalmen, die dem Feuer der Gottesliebe immer wieder neu Nahrung geben. Das einzige , was der "Kleine Weg" verlangt, ist Ausdauer - ein Leben lang. Doch seien wir unbesorgt. Der, der uns die Gnade des Anfangs gibt, ist treu und wird uns helfen, den einmal eingeschlagenen Weg auch zu vollenden.

Der geistliche Sinn der Reliquienverehrung

Heilige sind Modelle eines gelungenen christlichen Lebens und sie stiften aus regionalen, beruflichen oder persönlichen Motivationen emotionale Nähe. Sie sind Sinnbilder von erfüllten Hoffnungen und Sehnsüchten der sie verehrenden Menschen. Anbetung gebührt Gott allein; in den Heiligen aber wird zugleich mit der Person Gott verehrt, dessen Gnade sich im Leben dieses Menschen besonders gezeigt hat. Der Heilige hat seine Berufung an und in die Hand genommen und gestaltet. Nach dem Tod ist sein „Beruf“ die Gläubigen fürbittend in ihrem Glaubensleben zu begleiten und sie zu Gott zu fuhren.

Theresia von Lisieux will zu den Menschen kommen: "Ich möchte Missionarin sein, nicht nur für einige Jahre, sondern möchte es gewesen sein von Anbeginn der Welt und es bleiben bis ans Ende der Zeiten" Guy Gaucher OCD, der Bischof von Lisieux, betont: Gott habe viele Liebeszeichen von Therese empfangen, so gefalle es ihm wohl auch, durch ihre sterblichen Überreste seine Liebe den Menschen zu zeigen. So mag sie denen hilfreich sein, die der greifbaren Glaubensvergewisserung bedürfen. Denn im Wesen des Menschen liegt das Bedürfnis nach Greifbarem, Spürbarem, der ihm Kontakt mit und Anteil an der Größe des Verehrten schenkt (früher die Heiligen, heute z.B. Sportidole oder Filmstars). Ein Strahl der Gnade Gottes trifft durch die Präsenz des Heiligen hindurch den bittenden, empfänglichen Menschen.

Dies allein darf die Intention der Reliquientour Theresias durch die Schweiz sein. Sie selbst verbreitete eine Portion Skepsis zu überschwänglichem Eifer und Kult, wenn sie schreibt:
"Welcher Heilige wird um seiner selbst willen geliebt? Man lobt ihn, man schreibt seine Lebensgeschichte, man veranstaltet für ihn prächtige Feste, an religiösen Feierlichkeiten fehlt es nicht... Was mich betrifft so bleibe ich lieber im Verborgenen, als halbe Ehre zu genießen. Allein von Gott erwarte ich das Lob, das ich verdiene. Grabstätte bedeutet mir wenig... Wo immer sie sein mag, was macht es aus?“

Die hl. Theresia von Lisieux kommt zu uns im Zeichen eines wertvollen Reliquienschreines. An ihrem Schrein können wir mit ihr leichter in Beziehung treten und ihre lebendige Nähe erfahren. Durch sie können wir auch Gott begegnen, der in seinen Heiligen verehrt wird. Beten wir darum, dass er auch bei uns die Fackel des Glaubens und der Liebe neu entzündet.

„Auch mit einer kleinen Flamme kann man die ganze Welt anzünden!"

Therese von Lisieux und ihre Zeit

Therese von Lisieux
Therese von Lisieux und ihre Zeit
Therese Martin, so ihr Mädchenname, wurde als 9. Kind am 2. Januar 1873 in Alencon in der Normandie (Frankreich) geboren. Zur Zeit ihrer Geburt stand Frankreich einerseits immer noch unter den Nachwehen der Französischen Revolution, andererseits wurde die gesellschaftliche bzw. kirchlich-religiöse Situation auch von der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) bestimmt. Für viele Zeitgenossen war dieser Krieg eine Strafe Gottes gerade wegen des Kampfes der gegen die Kirche geführt wurde: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurde auf die Fahnen geschrieben, viele Kirchen wurden geschändet, Tausende treuer Priester und Gläubige landeten auf dem Schafott. Es regierten die Republikaner, Freimaurer und Nihilisten. „Die Kirche war endgültig in Verteidigungsstellung gerückt, sie hatte nicht abgedankt, sie war abgesetzt worden, sie war auf dem Weg, eine Privatangelegenheit einzelner oder von Gruppen zu werden". Eine Folge davon war, dass sich das Bekenntnis der Gläubigen zur Kirche in der Wiederentdeckung und Entfaltung des Wallfahrtswesens ausdrückte. Hinzu kommen als weitere Konsequenz die Verheerungen des Jansenismus, das ist Angst vor einem strafenden Gott, Skrupulosität bezüglich des eigenen Würdig-Seins zum Empfang der Kommunion und ein überzogener Moralismus. Ein Beispiel kann dies gut verdeutlichen: Abbe Youf, der Hausgeistliche des Karmels von Lisieux, sagte einmal zu Schwester Therese de Saint-Augustin, die eine strenge und sehr regeltreue Schwester war, dass sie bereits einen Fuß in der Hölle habe und wenn sie so weitermache auch den zweiten dort haben werde. P. Gaucher, selbst Karmelit und Weihbischof in Lisieux führte dieses Beispiel an um zu zeigen, dass diese strenge Praxis selbst vor den beschaulichen Klöstern keinen Halt machte und folglich die „überlebensnotwenige" Dynamik der Liebe dahin schmelzen ließ, weil jeder und jede allein auf sich, auf das eigene Heil zu schauen hatte. Und so „erschreckte die Furcht vor einem Gott, der nur Richter ist, mehr als nur eine Karmelitin." Ja, so dachten viele Menschen, dass es relativ schwierig sei, einst in der Ewigkeit einem Gott gegenüberzutreten, der seinem Wesen nach Liebe sein sollte. In diese geistige Situation hinein wird Therese Martin geboren und auch erzogen! Sie schreibt selbst einmal darüber. „Während der Einkehrtage auf meine zweite Kommunion aber wurde ich von der schrecklichen Krankheit der Skrupeln befallen ... Man muss dieses Martyrium durchgemacht haben, um es recht zu verstehen. Unmöglich könnte ich wiedergeben, was ich während anderthalb Jahren gelitten habe."

Doch dann kommt Gott ihr zu Hilfe und schenkt ihr die so genannte „Weihnachtsgnade". „Von den Skrupeln und der übermäßigen Empfindlichkeit befreit, begann sich mein Geist zu entwickeln" Und weiter schreibt sie: „Schimpft ein Vater mit seinem Kind, wenn es seine Schuld selbst bekennt? Bestraft er es dann? (...) Ein König, der auf die Jagd gegangen war, verfolgte einen weißen Hasen. Seine Hunde hatten ihn schon fast eingeholt. In diesem Augenblick kehrte der kleine Hase, der sich bereits verloren glaubte, plötzlich um und sprang in die Arme des Jägers. Dieser war über so viel Vertrauen betroffen und wollte sich von dem weißen Hasen nicht mehr trennen. Niemandem erlaubte er ihn anzupacken, und behielt sich die Sorge für seine Nahrung vor. Genauso wird sich Gott uns gegenüber verhalten, wenn wir verfolgt von der Gerechtigkeit - versinnbildlicht durch die Hunde - Zuflucht in den Armen unseres Richters suchen..."

Therese erkennt: „Vater unser, der du bist im Himmel? Oh! Wie tröstlich ist diese Wort, welch unendlichen Horizont eröffnet es unseren Augen." „Es tut so gut, Gott unseren Vater zu nennen" "Ich versichere Dir, der Liebe Gott ist viel gütiger als Du denkst." "Er hat mit Sicherheit alle wünschenswerten Vollkommenheiten. Aber - wenn ich es so sagen darf- er hat zugleich eine große Schwäche: er ist blind! Und es gibt eine Wissenschaft die er nicht kennt: das ist das Rechnen (...) Um ihn aber so blind zu machen und ihn daran zu hindern, auch nur die kleinste Rechnung zu schreiben, muss man verstehen, ihn beim Herzen zu nehmen. Dort ist seine schwache Stelle" Was heißt das konkret für die Praxis? Ein Beispiel: Marie, ihre Cousine leidet unter schrecklichen Skrupeln und wagt sich nicht, zur Kommunion. Therese gibt ihr darauf eine Antwort, die alles weitere erübrigt: „ Du hast auch nicht den Schatten von etwas Bösem getan. Ich versichere Dir, dass Du ohne Furcht Deinen einzigen wahren Freund empfangen kannst. Was Jesus verletzt, was sein Herz verwundet, ist der Mangel an Vertrauen! Geliebtes Schwesterchen, kommuniziere oft, sehr oft" Es ist gerade gegen Ende ihres Lebens hin, als sich der Tod schon als unausweichliches Faktum abzeichnete, dass Therese ihr Vertrauen auf die unendliche Barmherzigkeit Gottes setzte: "Ja, ich fühle es, hätte ich auch alle begehbaren Sünden auf dem Gewissen, ich ginge hin, das von Reue gebrochen, mich in die A.rme Jesu zu werden, denn ich weiß, wie sehr Er das verlorene Kind liebt, das zu Ihm zurückkehrt"

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ..." sagte Jesus einmal und Therese versuchte dies, in ihrem Leben zu verwirklichen. „Er zeigt uns, dass es die kleinsten, aus Liebe getanen Handlungen sind, die sein Herz gewinnen. Wenn es darauf ankämey große Dinge zu vollbringen, wie sehr wären wir zu bedauern? Aber wie glücklich sind wir, weil Jesus sich durch die kleinsten Dinge fesseln lässt"